NIEMAND KONNTE ERAHNEN, WAS FÜR EINSCHNEIDENDE UND WEITREICHENDE FOLGEN DER ENTSCHLUSS EINER UNSERER ERSTEN ROBINS HABEN WÜRDE, ALS JENER IM DEZEMBER 2015 IN SEIN AUTO STIEG UND SICH IN DEN NORDEN FRANKREICHS AUFMACHTE.

Ohne wirklichen Plan oder auch nur eine Ahnung, was ihn dort erwarten würde, spulte er Kilometer um Kilometer ab – im Gepäck jugendliche Naivität und den unbedingten Willen, Menschen zu helfen, denen das Schicksal übel mitgespielt hat. Es sollte der Aufbruch werden zu einer langen Reise voller Hoffnung, an deren Wegrand auch immer Zweifel lauern. Doch so hart die Arbeit und Skepsis manchmal sein können, so schön ist es auch, sich gegenseitig anzulächeln, wenn man zusammen mit anderen Menschen ein kleines Stückchen Glück zimmern konnte. Es war ein Aufbruch, doch Nordfrankreich nur eine erste Station: die Reise dauert noch immer an…

 

Im Norden Frankreichs, genauer in der Stadt Calais, befindet sich der Eurotunnel, durch den täglich Züge nach London fahren; zusätzlich machen sich Fähren vom Hafen auf über den Ärmelkanal. Es ist eine kleine, unauffällige europäische Kleinstadt – könnte man meinen. Jedoch hat sich dort während eines Jahres, von Herbst 2015 bis Herbst 2016, etwas Einmaliges im Herzen Europas abgespielt. Menschen aus allen Herren Ländern, alle auf der Suche nach einem besseren Leben, sind dort auf einer Bauschutthalde gestrandet: Männer, Frauen, Kinder und ganze Familien, die tausende von Kilometern gereist sind um Krieg, Verfolgung, Armut und Perspektivlosigkeit zu entkommen – nur um in Europa auf taube Ohren und wachsende Zäune zu stossen.

 

An dieser Grenze etablierte sich nun ein illegales Flüchtlingscamp. Besser gesagt entstand eine kleine Stadt, wie jede mit vielen Eigenheiten und Facetten, die unter dem Namen „Jungle“ Bekanntheit erlangte. Ein grosser Teil der Bewohner marschierte im Schutze der Dunkelheit jede Nacht zwei Stunden hin und zurück, um unter Lebensgefahr auf einen Zug oder Lastwagen aufzuspringen, immer das Ziel vor Augen, ins Vereinigte Königreich zu kommen. Die Versuche endeten fast immer in einem Misserfolg. Dazu gab es standardmässig eine Portion Tränengas und eine Knüppel-„Behandlung“, offeriert von der französischen Polizei.

 

Im Camp fehlte es an allem: Schlafplätze und Kleider waren rar, sogar die medizinische Versorgung nur rudimentär vorhanden. Während die UNO, andere grosse Hilfswerke und der französische sowie der englische Staat durch Abwesenheit glänzten, kamen Volunteers aus der ganzen Welt zu Hilfe, die nicht tatenlos zusehen mochten. Es wurden Verteilstellen für Kleider eingerichtet, Küchen aufgebaut, die jeden Tag warme Mahlzeiten anboten, Zelte aufgestellt, ein Jugendzentrum für die Vielzahl von unbegleiteten Minderjährigen errichtet, Konzerte organisiert; diese Liste liesse sich noch endlos weiterführen. Schnell kamen auch weitere Robins aus der Schweiz herbei, um aktiv mitzuhelfen und diesen Menschen den Alltag wenigstens ein bisschen zu erleichtern. Um nicht tatenlos zuzusehen, wie die in Calais gestrandeten Menschen noch mehr Leid erfahren müssen und um die Welt wenigstens zu einem ein wenig besseren Ort zu machen, brachten sie Kleider, Zelte und finanzielle Mittel den ganzen weiten Weg aus der Schweiz. In dieser emotionalen und aufwühlenden Zeit sammelten unsere ersten Robins Erfahrungen und Eindrücke in der Arbeit mit geflüchteten Menschen. BE A ROBIN war geboren.

 

Zu Spitzenzeiten zählte der „Jungle“ über 11’000 Bewohner, davon über tausend unbegleitete Minderjährige! Dies konnte der französische Staat nun nicht mehr ignorieren, weshalb er das Camp Ende Oktober 2016 mit dem Versprechen räumte, jedem einzelnen Bewohner eine faire Chance auf Asyl zu gewähren. Leider trifft dies nur teilweise zu – viele Geflüchtete, insbesondere im Kindes- und Jugendalter, sind inzwischen wieder in Calais und Umgebung anzutreffen, auf der neuerlichen Suche nach einer Chance über den Kanal…

 

PROJEKTE

Vor Ort arbeiteten wir Hand in Hand mit HelprefugeesUK und L’Auberge des Migrants sowie vielen weiteren kleineren Organisationen zusammen.

  • Volunteers aus der Schweiz empfangen, in Unterkünfte einquartieren und in die Strukturen des Camps einführen
  • Sneakersammelaktion im Club Revier
  • Sammelaktion Openair Frauenfeld, hunderte Schlafsäcke, Zelte etc. wurden so nach Calais gefahren
  • Zauberer Hörbi nach Calais eingeladen mit mehreren Shows im Camp
  • Finanzielle Unterstützung von Junglebooks, Junglefitness und Coldfood Distribution
  • Koordination für den „Welcome Caravan“, wo Neuankömmlinge mit Zelten, Schlafsäcken, Decken etc. versorgt wurden.

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